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Langnese auf die Spielplätze!

Von Ronald Wenke | 23.November 2007

In Berlin gibt es einen neuen Trend: Kinder schützen. Wo man hinschaut, gibt es private Initiativen, die unseren Kleinen nur Gutes tun. Lagnese - die mit dem Eis – etwa sponsort in Berlin die Sanierung von Kinderspielplätzen. Und der Stadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), möchte dies für alle seine Spielplätze im Bezirk ermöglichen. Aber: nur kindgerechte Werbung solle zugelassen werden: „Spielzeugläden, Süßigkeitenfirmen oder Bekleidungsfirmen“. Dafür könnten dann auch endlich mal wieder neue Spielgeräte angeschafft werden.

Auch in Marzahn-Hellersdorf ist der Bürgersinn groß: Hier gibt es das christliche Kinderhilfprojekt „Arche“. Dieses steht jetzt nach Ansicht der Bezirksverordneten – auch von den Grünen – auf „eigenen Füßen“. Es hat genug Spenden gesammelt, dass es keinen Zuschuss vom Bezirk mehr braucht. Dieser wird prompt gestrichen. – Ob es das war, was die edlen Spender beabsichtigt haben?

Und auch in Neukölln ist in Sachen Kinderschutz nichts zu teuer. Hier geht es nicht um Spielzeug oder Suppenküche – hier geht’s ans Eingemachte. Die Sicherheit auf den Schulhöfen kann nicht mehr gewährleistet werden. Darum soll es eine für eine viertel Million Euro einen privaten Wachschutz geben. Warum die Polizei nicht in der Lage ist, für Sicherheit an Neuköllns Schulen zu sorgen? Das ist zu teuer – den privaten Wachschutz gibt’s für fünf Euro die Stunde.

Gemeinsam ist all diesen Fällen, dass es den Entscheidungsträgern immer um das Wohl der Kinder geht. Und wenn man gegen diese Entscheidungen protestiert, man schnell zu hören bekommt: „Willst du denn keine neuen Spielgeräte?“ oder „aber, wenn die Kinder doch nun mal geschützt werden müssen?!“ Ist es nicht aber ein Armutszeichen, wenn der Staat seine ureigene Aufgabe – Sicherheit gewährleisten – nicht mehr wahrnimmt? Als Hobbes den Leviathan schrieb, ging es ihm nicht ums Arbeitslosengeld I, sondern um Sicherheit.

In den Bezirken von Berlin läuft was falsch, und das hat wenig mit Böswilligkeit zu tun. Es fehlt schlicht an Geld – sogar, um unsere Kinder zu schützen. Privates Engagement, wie in Marzahn-Hellersdorf, sollte ergänzend willkommen sein. Keinen Platz hat es, wenn es zu kommerziellen Zwecken geschieht. Oder noch schlimmer, wenn der Staat seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann und Sicherheit, etwa auf dem Spielplatz, davon abhängt, dass Sponsoren bereit sind, einzuspringen.

Themen: BerlinGrün |

Ein Kommentar to “Langnese auf die Spielplätze!”

  1. André Meral schreibt:
    3rd.Dezember 2007 um 18:17

    Wenn Kinderschutz ein neuer Trend ist, dann unterstütze ich den gern, auch wenn man nicht jedem Trend einfach so hinterher rennen soll. Daß die Sensibilität für dieses Thema offensichtlich gestiegen ist und zum Beispiel Nachbarn etwas genauer hinschauen, wie es dem Kind im Nebenhaus geht, kann man nur begrüßen.

    Die Feststellung, daß es den Bezirken für den Kinderschutz an Geld fehlt, ist so einfach wie richtig. Übrigens gilt das für viele unserer bezirklichen Aufgaben, wir haben kaum mehr Geld im Haushalt, über das wir frei verfügen und das wir frei hin- und her schieben können.
    Es gibt eben Felder, bei denen sparen nicht nur politisch falsch ist, sondern auch wirtschaftlich: Was man bei Kindern und Jugendlichen vordergründig im Moment spart, kommt später in mehrfacher Höhe durch Folgekosten wieder auf einen zu.
    Und hier muß man eben bei knappen Mitteln auch Prioritäten setzen, ich würde dann zum Beispiel eher die Schließung einer Bibliothek verhindern und dann eher mal die Sanierung einer Straße verschieben. Das ist jetzt ein aus der Luft gegriffenes Beispiel.

    Aber Geld ist nicht alles: Bei meiner Tätigkeit in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg fällt mir immer wieder auf, wie träge und einfallslos eine Verwaltung sein kann. Es geht ja nicht darum, Aktionismus zu betreiben oder Luftschlösser zu bauen, aber Kreativität kann doch auch hier ganz hilfreich und erfrischend sein. Und soll nicht auch Not erfinderisch machen?
    Von daher finde ich es erstmal gut, daß sich der zuständige Stadtrat in ChaWilm Gedanken macht; was dabei herauskam, läßt allerdings zu wünschen übrig. Diese staatliche / bezirkliche Aufgabe sollte nicht an die freie Wirtschaft delegiert werden, auch um sich nicht neuen Abhängigkeiten auszusetzen.

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